Gibraltar, Affen, Rum und ein iranischer Tanker

Endlich hat es einmal geklappt: Schon lange wollte ich mir das englische Übersee-Territorium Gibraltar ansehen. Als Tagesausflug von Novo Sancti Petri ging es per kurzer Busreise auf den Englischen Aussenposten am Mittelmeer mit seinen Berber-Affen auf dem bekannten Felsen in der Meerenge von Gibraltar.

Die Busfahrt (ca. 90 Minuten) führte durch einen Naturschutzpark (Parque Natural Los Alcornocales), in dem ein großes Korkeichen-Gebiet liegt. Hier soll man im Herbst laut unserer Reiseführerin gut wandern können. Was jetzt nicht weiter von Bedeutung war, was man aber halt so während der Busfahrt nebenbei erfährt.
Obwohl es morgens sehr nach Regen aussah weil es sehr wolkenverhangen und dunkel aussah, besserte sich die Wetterlage im Laufe des Tages und die Sonne kam wieder durch. Liegt wohl an der Lage direkt am Meer. Jedefalls bot sich bei der Einfahrt nach Gibraltar kein direkter Blick auf den Felsen.

Wie man sieht, sieht man nichts: Der Fels von Gibraltar wolkenverhangen vom spanischen Grenzübergang aus gesehen

Bei der Rückfahrt konnte man den Felsen dank des besseren Wetters dann sehen

Der Fels von Gibraltar von der spanischen Seite (Norden) aus gesehen
Der Fels von Gibraltar von der spanischen Seite (Norden) aus gesehen

Als wir mit dem Reisebus in der Innenstadt von Gibraltar gelandet sind, wurden wir auf kleinere Busse verteilt. Was normalerweise irgendwie überflüssig klingt (weil man ja schon in einem Bus sitzt) machte dann Sinn als man mit den etwas kleineren Bussen dann durch die Stadt gefahren wurde: Die Straßen und Gassen sind teilweise so eng, dass dort ein normaler Reisebus niemals durchkommen würde. Teilweise wurden die Straßen durch den Felsen geführt – und die Öffnungen waren selbst für einen kleinen Bus von der Größe eines Sprinters eine Herausforderung! Und von Parkplätzen wollen wir erst gar nicht sprechen, denn es gibt sie kaum. Und wenn, dann sind die ziemlich teuer. Es macht also wenig Sinn mit dem Auto nach Gibraltar reinzufahren. Besser dafür vor der Grenze den Wagen in der spanischen Stadt La Linea de la Conception parken. Das beruhigt die Nerven (und den Geldbeutel).

Gibraltar hat im übrigen auch den einzigsten Flughafen der Welt, über den eine normale Verkehrsstraße führt. Mitten über das Rollfeld vom Flughafen führt die Winston-Churchill-Road, die die einzige Verbindung zum spanischen Festland über Land darstellt. Wenn die Flugzeuge starten oder landen wird die Straße gesperrt – mit entsprechenden Wartezeiten für den Grenzübertritt. Momentan wird zwar an einer Untertunnelung des Flughafens gearbeitet, aber das kann noch einige Jahre dauern bis dieser Tunnel fertiggestellt ist und Staus der Vergangenheit angehören.

Über den Grenzübergang direkt auf das Rollfeld vom Flughafen Gibraltar in die Stadt rein

In Gibraltar ist das Militär allgegenwärtig: Kanonen und Befestigungen wo man auch hinsieht. Was ja auch kein Wunder ist, da das Gebiet als strategisch wichtiger Flottenstützpunkt der britischen Marine dient und entsprechend gut befestigt wurde. Sogar aus dem Felsen von Gibraltar selbst, sieht man jede Menge Geschützöffungen und Schiessscharten. Von denen auch nicht gerade wenige auf die spanische Seite ausgerichtet sind.

Hardings Battery am südlichsten Punkt von Gibraltar
Hardings Battery am südlichsten Punkt von Gibraltar

Obwohl Gibraltar an sich winzig ist, konnte man selbst dort an diesem Tage etwas von dem Hauch der großen Weltpolitik mitbekommen: Vor der Küste lag nämlich der iranische Tanker “Grace 1” (neuer Name jetzt: “Adrian Darya-1”), der dort aufgrund des Zwistes zwischen den USA und dem Iran von der britischen Hafenbehörde auf Antrag der Amerikaner festgehalten wurde. Von den Gibraltarern selbst wurde dieser Vorfall übrigens kritisch beurteilt, da sie sich als Spielball der USA in dieser Angelegenheit sahen. Interessantes Detail am Rande: Wie verhindert man, dass sich so ein festgesetztes Schiff nicht über Nacht vom Acker macht? Ganz einfach: Man interniert die komplette Mannschaft und baut wichtige Teile der Maschine des Schiffs aus, damit es sich nicht mehr fortbewegen kann! So wurden Ingenieure an Bord der Grace 1 gebracht, die wichtige Teile des Schiffsmotors entfernt hatten. – Und für diese Teile gibt es kurzfristig keine Ersatzteile.

Der iranische Tanker Grace-1 liegt festgesetzt im Gewässer vor der Küste von Gibraltar
Der iranische Tanker Grace-1 liegt festgesetzt im Gewässer vor der Küste von Gibraltar

Im Hafen von Gibraltar lagen zu diesem Zeitpunkt die britischen Marineschiffe HMS Kent F78 und die HMS Defender D36 vor Anker. Der Zerstörer Kent hatte hier Zwischenstopp gemacht. Ziel war der Persische Golf mit der Aufgabe den dortigen Schiffsverkehr zu beschützen. Auch hier also wieder große Weltpolitik. Der Lenkwaffenzerstörer Defender hatte ebenfalls hier zwischengeankert. Zielregion war hier der asiatisch/pazifische Raum.

HMS Kent F78 + HMS Defender D36 in Gibraltar
HMS Kent F78 + HMS Defender D36 (im Vordergrund) in Gibraltar

Nach einiger Zeit hatten wir dann den Felsen erreicht. Direkt wurden wir an den dafür vorgesehenen Haltepunkten von den Berberaffen begrüßt. Diese Tiere sind zwar auf den ersten Blick friedliche Zeitgenossen, jedoch sollte man sich nicht in ihnen täuschen. Wir bekamen ein Gerangel von drei Berberaffen mit, die unter sich das neue Alpha-Männchen ausmachten, weil das ursprüngliche Alpha-Männchen vor kurzem verstorben ist. Das Gekreische war schon heftig. Und die dabei zur Schau gestellten großen Fangzähne verfehlten ebenfalls nicht ihre abschreckende Wirkung. So niedlich sie auch aussehen: Man sollte Vorsicht in ihrer Nähe walten lassen – und natürlich die Tiere NICHT füttern sowie auf seinen Rucksack und Kamera aufpassen!

Ein Berber-Affe auf dem Felsen von Gibraltar
Entspannter Berberaffe auf dem Felsen von Gibralter

Ein definitiver “Muss”-Besuch stellt der Besuch der Saint Michaels Cave dar. Diese große Tropfsteinhöhle hat eine so gute Akustik, dass hier sogar ein Konzertsaal eingerichtet wurde. Im zweiten Weltkrieg wurde hier ein Hospital eingerichtet, dass aber nie in Betrieb genommen wurde. Der öffentlich zugängliche Bereich war schon beeindruckend genug. Es gab jedoch noch viel mehr Bereiche, die wir aufgrund des engen Zeitrahmens leider nicht besichtigen konnten. Alleine die Illumination in den unterschiedlichsten Farben ist schon einen Hingucker wert. So ein Schauspiel sieht man selten.

St-Michaels Cave-Gibraltar
St-Michaels Cave-Gibraltar

Gibraltar stellt neben vielen Kuriositäten auch ein Shopping-Paradies dar. Alleine was man hier in der Main Street alles an günstigen Spirituosen (konkret: Rum) kaufen kann ist schon beachtlich. Man kann dabei den ein oder anderen Schnapper machen. So liegt der Preis für die zwei Rums von Woods und Lambs in Deutschland bei gut 60€. In Gibraltar lag der Preis bei 15€! Kann man sich natürlich nicht entgehen lassen. 🙂

Rum auf Gibraltar in der Main Street
Günstiger Rum in der Main Street

Egal wo man auf Gibraltar auch hingeht: Die Geschichte ist immer um einen herum präsent: Sei es aufgrund der alten Gebäude oder Denkmäler. Wobei mittlerweile einiges an Renovierungen stattfindet. Um Wohnraum zu schaffen werden so zum Beispiel ehemalige Militärgebäude in Wohnungen umgewandelt.

Denkmal für die Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg der Gibraltar Defence Force und anderer Einheiten aus Gibraltar
Denkmal für die Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg der Gibraltar Defence Force und anderer Einheiten aus Gibraltar
Englische historische Patrouille in der Main Street von Gibraltar
Englische historische Patrouille in der Main Street von Gibraltar
Hafen von Gibraltar - ImHintergrund die spanische Stadt Algeciras
Hafen von Gibraltar – Im Hintergrund die spanische Stadt Algeciras

Mich hatte es überrascht, dass die ganzen Tanker VOR dem Hafen lagen und nicht IN diesem für die Wiederbetankung angelegt hatten. Unser Busfahrer John hatte dafür eine einfache Erklärung: Das liebe Geld ist dafür verantwortlich! Wenn die Tanker außerhalb offshore des Hafens liegen, ist die Steuer auf den Treibstoff für die Schiffe 14% niedriger als wenn sie im Hafen liegen. Dafür lässt man natürlich dann als Reederei gerne das Schiff außerhalb des Hafens ankern. Bei dem Volumen an Treibstoff was so ein Tanker aufnehmen kann, ist das schon eine fette Summe,die man so einsparen kann. Das ist auch der Grund dafür, warum Gibraltar von den meisten Tankern zum Bunkern von Treibstoff angelaufen wird. Im gegenüberliegenden Hafen von Algeciras ist es somit deutlich teurer.

Fish & Chips in Gibraltar Main Street
Fish & Chips in Gibraltar Main Street

Was einen vielleicht verwundert ist die Vielfalt an Einflüssen, die einem in Gibraltar begegnet: Englische Kultur kombiniert sich hier mit spanischer, jüdischer und marokkanischer Kultur zu einem einzigartigen Mix. Hier ist definitv ein plurales Miteinander möglich. So konnte man zum Beispiel Samstags (Feiertag der Juden) in der Main Street viele Juden sehen, die aufgrund des Feiertags feierlich gekleidet waren. Auch die bekannten Schläfenlöckchen waren hier öfters zu sehen. Es ist mittlerweile leider fraglich, ob sich diese Bürger auch in einigen deutschen Großstädten so frei und offen bewegen könnten.

Eingang Nord Main Street Gibraltar
Eingang Nord Main Street Gibraltar

Als wir in der Main Street waren wurde auch das dortige Postamt, das Royal Gibraltar Post Office, besucht. Aber hier waren es nicht Briefmarken, sondern englische Premium Bonds, die mein Interesse weckten. Leider gab es sie dort nicht zu kaufen:
“Sorry, we are not part of the UK!” – War also nix mit den Premium Bonds. Aber man kann ja nicht immer alles haben. Einen Versuch war es ja wert.
Danach haben wir erstmal eine Rast eingelegt und das Gasthaus “Jury´s” aufgesucht. Kann man empfehlen: Gutes Essen und Getränke zu akzeptablen Preisen mit freundlichen Bedienungen. Zahlung in Euro ist ohne weiteres möglich. Wechselgeld kommt auch in Euro zurück. Der Kurs ist dann logischerweise nicht gerade der Beste, aber für etwas Bequemlichkeit muss man halt zahlen.

Jurys Main Street Gibraltar
Gute Adresse für Speis´ und Trank: Jury´s in der Main Street
Das Parlament von Gibraltar
Das Parlament von Gibraltar
Innenstadt-Irish-Town-Gibraltar
Innenstadt-Irish-Town-Gibraltar

Hat sich die Gibraltar-Tour gelohnt? Absolut! Würde ich wieder hinfahren, wenn ich mal in der Nähe wäre. Ein Besuch lohnt sich auch für alle, die Urlaub an der Costa de la Luz oder der Costa del Sol machen. Es werden genug Bustouren nach Gibraltar angeboten, die man nutzen sollte. Wer weiss, wie lange und einfach dies aufgrund des Brexits (31.10.19) noch möglich ist? Die Gibralterer haben den Brexit übrigens zu 95,9% abgelehnt. Wenn man vor Ort ist versteht man warum: Das Übersee-Territorium profitiert deutlich von den Touristen. Wenn die weniger werden, dürfte es auch mit den Geschäften abwärts gehen…

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